Aktuelle Ausstellungen

KÜNSTLERINNENGESPRÄCH am Sonntag, 23. April, 15.00 Uhr

Moderation: Klaus Ritt – Eintritt frei

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Nach den Gemeinsamkeiten dieser vier Künstlerinnen aus Frankfurt gefragt, lässt sich feststellen, dass alle einer Generation zugehören, sich als Bildhauerinnen verstehen, diesen Begriff aber durchaus in erweitertem Sinn nutzen.

Bei den Arbeiten von Astrid Lincke-Zukunft geht es um die Themen Linie, Raum, Licht und deren Beziehung zueinander. Was ist eine Linie? Eine Linie ist eine Bewegung. Eine zweite Linie, die die erste kreuzt, schneidet in diese Bewegung und definiert einen Ort. Liniennetze und Gittergebilde bilden häufig komplexe Systeme, die unseren Alltag prägen und hoch entwickelte kulturelle Perspektiven auf die Welt darstellen. Astrid Lincke-Zukunft hat diesen auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst mit ihren Stabplastiken einen ganz eigenständigen Beitrag hinzufügt. Ihre Plastiken erkunden den Raum mittels eines komplexen Systems aus Linien. Lineare Stäbe aus Holz oder bisweilen auch aus Metall werden zusammengefügt und erzeugen Raumkörper, die durch ein labiles Gleichgewicht gekennzeichnet sind. Kein rechter Winkel, keine Vorzeichnung, sondern Austarieren während des Arbeitens kennzeichnet den Werkprozess. Eins tritt zum anderen, jedes Element ein konstitutives Teil des Ganzen. Wir sehen hängende, liegende oder frei stehende Raumplastiken, die unser Blick zwar ohne störende Abdeckungen buchstäblich ‚durch‘-schauen kann, die sich einer abschließenden Wahrnehmung aber immer wieder entziehen. Denn jede sich geradezu aufdrängende Veränderung des Standpunktes erzeugt mehr oder weniger gravierende Verwandlungen des Betrachteten. Linien verlängern oder verkürzen sich, gefährlich spitze Winkel werden plötzlich stumpf, bestimmte Blickachsen verschieben sich oder verschwinden ganz, neue tauchen auf. Die Linienführungen der Stäbe begrenzen zwar einen konkreten Raum zwischen sich, jedoch nie einen endgültigen. (Heike Roller)

Ann Reder spürt in ihren Arbeiten Naturphänomenen wie Meer, Strom und Wellen nach, ergänzt die gefundene Form durch Begriffe aus der norwegischen Sprache wie Lys (Licht), Rah (Segel) und Hav (Meer) und Imaginärem wie Norden, Ferne oder Stille. Die klaren, einfachen Formen wirken durch kraftvolle, geometrische Strenge und ihre glatte Oberfläche. Das bevorzugte Gestaltungsmotiv ist für Ann Reder die gewölbte, konkave Form. Ausgangspunkt war eine Art Welle wird durch unterschiedliche Krümmungsbreite ein Relief, das parallele Bewegungen verfestigt bis hin zum Halbrund und den freien Raum erobert. Durch Spiegelungen, Schnitte und Versetzungen der Formen lassen sich alle Figuren zu immer neuen Raumgebilden und Bewegungsabläufen in Wandreliefs und Bodenplastiken variieren. Sanfte Bewegung entsteht durch die Reihung der offenen konkaven Form – dem Wellenverlauf des Meeres oder dem Fließen des menschlichen Atems vergleichbar – die durch Verengung oder Ausweitung den Rhythmus der Plastik verändert.

Heide Weidele: „Alles mit Allem“, unter diesem Arbeitstitel entstand 2016 eine Serie von Experimenten im Atelier. Zu den üblichen Alltagsmaterialien aus Plastik kombinierte Heide Weidele nun auch andere Materialien, wie Gips, Holz, Stoffe, Spanngurte, Klebebänder, Fundstücke. Die neuen Objekte unterscheiden sich von den bisherigen durch größere formale Klarheit und reduziertere Farbigkeit. Sie bilden die Gruppe der „Wertsachen“, die Weidele erstmals in den Räumen der Galerie in der Trinkkuranlage zu einer Installation zusammenfassen wird.

Gisela Webers Material ist Stein, Marmor. Man kann es das konventionellste Material nennen, aber was dabei entsteht ist sehr unkonventionell. Das Ausgangsmaterial stammt aus der hiesigen Steinindustrie, es sind lange Stangen, die aber nicht mit Hammer und Meißel, sondern mit der Flex und wie in alten Zeiten händisch bearbeitet werden. Insofern alles durchaus zeitgemäß. Der „Bad Nauheimer Kreis“ ist eine Begegnung, ein Zusammenstehen einzelner Stelen. Jede hat einen eigenen Charakter im Querschnitt, im Verlauf der Form, im Abschluss und antwortet auf andere in der Gruppe, gemeinsam ist ihnen die schlanke hohe Form und der weiße, oft durchscheinende Marmor.