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Unter der Kuppel der Jugendstil-Rotunde des Kunstvereins Bad Nauheim zieht ein multimediales, bemaltes Hexenhäuschen den Betrachter in seinen Bann. Von Innen projizieren 8 Projektoren Animationsfilme auf seine Wände, es knistert und knuspert (Sound: Hubert Machnik) und auf dem Dach thronen die EUROPANTOWER, ein Geldhaus, welches der Betrachter über einen Touchscreen in der Nähe virtuell besuchen kann. (Peter Markert, Lazlo Viragh, u.a.)

Rund um dieses zentrale Objekt zeigen die Bilder und Objekte aus der Sammlung der „Gesellschaft zur Verwertung und Erhaltung der Idee des Pfennigs“ (gegründet 1970 in einer Frankfurter Apfelweinkneipe, heute EUROPAN A.G.) seltsame Bezüge zwischen Kunst und Geld.

Im Märchen brechen Hänsel und Gretel hungrig Lebkuchen vom Häuschen der Hexe, aber wie oft verführt uns der Hunger nach Bildern von der süßen Medienkost zu naschen! Als Hexerei kann man durchaus auch das Funktionieren unserer Währung oder die massenhafte Bewunderung der „ewigen“ Kunst sehen, wäre doch Geld ohne Glauben und Vertrauen in seine Bedeutung nur buntes Papier bzw. wertloses Metall und der EUROPAN – eine Münze aus Teig – nur ein Keks anstatt eines Kunstobjektes.

Im zweiten Ausstellungsraum stößt der Besucher auf zehn „Leuchtende Vorbilder“, Porträts bekannter Märchenautor/innen, und kann u.a. im Zeichentrickfilm „Moneta“(2014) einem daumengroßen Geistwesen bei seinen hektischen Abenteuern mit einer Münze folgen (Maren Krüger/Dieter Reifarth, Musik: Hubert Machnik) sowie in einer Reihe von Zeichnungen deren Detailfülle entdecken.

Der dritte Raum ist dem kleinsten Denkmal Frankfurts gewidmet, einer Art Messpunkt. Er soll, als Teil eines über alle Kontinente hinweg gespannten Netzwerkes aus Messpunkten, der rechtzeitigen Warnung vor überbordenden, internationalen Kapitalströmen dienen. Zur Fertigstellung dieses Verbundes fehlt nur noch der letzte Messpunkt auf dem südamerikanischen Kontinent.

Seit Jahrzehnten schon verfolgt der 1945 in Braunschweig geborene und heute in Frankfurt am Main lebende und arbeitende Vollrad Kutscher die vielfältigen Bezüge zwischen Kunst und Geld. Vieles scheint von ihm nur frei erfunden oder Phantasieprodukt und ist doch konkret in der Realität wieder zu finden, während reale Verhältnisse und Gegebenheiten sich als Glaubensdinge ohne wirkliche Substanz herausstellen. Die Ausstellung lädt ein dem Irrwitz und den vielen Fragwürdigkeiten im präsentierten Wertsystem spielerisch, lust- und humorvoll nachzuknuspern.